Entstehung
und Verbreitung
des Christentums
Das Christentum
wurde ab der Lehre eines Juden Namens Jesus gegründet und hat sich innerhalb
vier Jahrhunderten im ganzen römischen Reich verbreitet.
1. Die Entstehung des Christentums.
A. Die Religion der Juden.
In Rom waren viele
Götter anerkannt (was man Polytheismus nennt). Die Juden, deren Land Judäa
römische Provinz geworden war (Karte S.40-41), hatten nur einen Gott: Jahwe (was man Monotheismus
nennt). „Propheten“ hatten dem jüdischen Volk in der Bibel gesagt, was sie glauben sollten.
Die Bibel schreibt
den Juden ihre religiôsen und alltäglichen Pflichten
vor. Unter anderem müssen sie den zehn Geboten folgen (M.1.)(S.42, N°1), die Gott dem „Prophet“ Moses auf dem Sinaiberg diktiert habe.
An ihrem Glaube hielten die Juden fest, auch dann noch, als die Römer
ihre Hauptstadt Jerusalem im Jahre 70 n.Chr. zerstörten und sie 135 n.Chr. aus ihrer Heimat vertrieben.
Es gab unter den
Juden mehrere Glaubensströmungen:
- z.B. wollten die
Pharisäer eine strenge Beobachtung des religiösen Gesetzes
- die Essener und Täufer
bereiteten die Ankunft eines Messias, d.h. eines Retters des jüdischen
Volkes vor. Die Taufe war bei ihnen ein Reinigungsritus
(Jesus wurde eben von Johannes dem Täufer getauft).
B. Die Lehre Christi.
1) Jesus von Nazareth.
Zur Zeit des römischen
Kaisers Tiberius (14-37) lehrte Jesus, der auch Messias oder Christus
genannt wurde.
Er war der Sohn
eines Zimmermanns namens Joseph und einer „Jungfrau" namens Maria.
Sein Leben und
seine Lehre sind uns durch das Neue
Testament bekannt (d.h. durch Bücher - die Evangelien von Matthäus, Markus,
Lukas und Johannes – die die Christen der jüdischen Bibel hinzugefügt haben)
(Tabelle S.48). Die Christen glauben Jesus sei Sohn Gottes, vom „Heiligen
Geist" Gottes gezeugt, und habe viele Wunder gemacht (z.B. Kranke
geheilt).
Er wurde unter
Tiberius vom jüdischen Hochgericht zum Tode verurteilt, und von den Römern
gekreuzigt. Seine Anhänger verkündeten, dass Jesus von den Toten auferstanden
und ihnen begegnet sei.
Sie glaubten auch,
dass er durch seinen Tod, das Seelenheil der ganzen Menschheit ermöglicht
hatte.
2) Die Vorschriften
des Christentums waren sehr neu. Jesus predigte:
- Gewaltlosigkeit
und Toleranz,
- Armut,
- Nächstenliebe
. (M.2-4.)
C. Die Trennung des Judentums und des Christentums.
1) Für die Juden war
der Glauben, Jesus wäre Gottes Sohn, skandalös. Die ersten Christen
–selbst Juden –wurden von den anderen Juden bekämpft, manchmal getötet. (M.5.)
2) Paulus war in
einer jüdischen Familie geboren und war später ein Christ geworden. Er konnte
während seinen Reisen (S.63) viele zum Chritentum
bekehren, auch Nichtjuden.Mit ihm wurde das
Christentum eine Weltreligion. (M.6.)
2. Das Christentum, Weltreligion.
A. Das Christentum verbreitet sich.
Im Römischen Reich
verbreiteten sich auch andere Religionen aus dem Orient, die ein Seelenheil versprachen.Das Christentum wurde die erfolgreichste
all dieser Religionen.
Von dem Historiker
Tacitus erfahren wir, dass es im Jahre 64 n. Chr. schon Christen in Rom gab (Karten S.61 und 58).
B. Das Leben der Christengemeinden und die Verfolgungen.
1) Die Christlichen Gemeinden.
Bei den Christen wurden
alle gleich geachtet, Männer wie Frauen, Arme wie Reiche, auch Sklaven nahm
man in die Gemeinden auf. Sie besuchten keine grausamen Zirkusspiele und betrachteten
Kindesaussetzung als schweres Verbrechen.
Sie hielten am Sonntag
eine Versammlung, hörten Auszüge aus der Bibel und feierten das „Abendmahl“,
die „Eucharistie“ (sie aßen Brot und tranken Wein, in Erinnerung an ein Mahl
mit Jesus). Den Vorsitz hatte dabei ein Priester oder ein Bischof. (S. 64-65)
Diakone sorgten für Kranke und Arme.
2) Die Verfolgungen. (S.66-67)
Doch misstrauten
viele den Christen. Wenn etwas Schlimmes geschah, hieß es: die Christen sind Schuld, weil sie nicht die alten Götter verehren. (M.7)
Wenn Christen sich
weigerten, vor der Statue des Kaisers zu opfern, wurden sie vor Gericht
gestellt. Es kam zu schweren
Verfolgungen.
C. Das Christentum, einzige Religion des Reiches.
1) Die gleichen Rechte für die Christen.
Die Christen
wollten keine Staatsfeinde sein, obwohl sie verfolgt wurden. Sie bezahlten
die Steuern und befolgten die Gesetze.
Da das Reich durch
fremde Völker bedroht war, erlaubten die römischen Kaiser den Christen, ihre
Religion frei auszuüben. Kaiser Konstantin beschloss, jeder Römer sei
frei, seine Religion zu wählen. (Edikt von Maïland,
313, M.8)(S.68-69)
Den Sonntag machte
er zum allgemeinen Ruhetag. Er befreite Bischöfe und Priester von allen
Steuerabgaben (so war es auch für nichtchristliche Priester).
2) Intervention des
Staates im Christentum.
Konstantin wünschte
die Einigkeit des Reiches; deshalb intervenierte er im Konflikt zwischen
verschiedenen Christen: 325 in einem Konzil der Bischöfe in Nicaea ließ Konstantin Arius aus der Kirche ausschließen
(Arius lehrte, Christus sei nicht selbst Gott gewesen); in Nicaea wurden das Dogma
der Trinität, und das katholische Credo angenommen. (S.71,
Nr.3)
2) Das Verbot der anderen Religionen.
Kaiser Theodosius der Große (379-395), der Christ geworden war,
verbot 391 das Heidentum (M.9, S.69, Nr.6) Die Tempel der alten römischen Götter
wurden geschlossen, die Opfer verboten, die Priesterschaften aufgelöst.
Quellen.
M.1. Die zehn Gebote:
„Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus
Ägypten herausgeführt hat.
Du sollst keine anderen Götter haben als mich.
Du sollst dir kein Bild machen von dem, was im Himmel
oder auf der Erde oder im Wasser ist. Du sollst diese Bilder nicht verehren.
…
Du sollst den Namen Jahwes, deines Gottes, nicht
missbrauchen …
Sechs Tage sollst du arbeiten. Der siebte Tag aber ist
Sabbat für Jahwe, deinen Gott. Da darfst du keine Arbeit tun …
Ehre deinen Vater und deine Mutter…
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht ehebrechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht als falscher Zeuge gegen deinen Nächsten
aussagen.
Du sollst nicht begehren … irgend etwas, was deinem Nächsten gehört." (Exodus,20,1-17)
M.2. Liebt
eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verleumden.
Dem, der dich auf
die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel
wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand
etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut
ebenso auch ihnen.
Wenn ihr nur
die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr
dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt
werden. Und wenn ihr nur denen
Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen
Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.
Und wenn ihr nur denen etwas
leiht, von denen ihr es zurückzubekommen
hofft, welchen Dank erwartet ihr
dafür? Auch die Sünder leihen Sündern
in der Hoffnung, alles zurückzubekommen.
Ihr aber sollt eure Feinde lieben
und sollt Gutes tun und
leihen, auch wo ihr nichts
dafür erhoffen könnt. Dann wird
euer Lohn groß sein und ihr
werdet Söhne des Höchsten sein;
(Lukas, 6,27-35)(S.49)
M.3. „Die
Pharisäer brachten eine Frau herbei, die beim Ehebruch ertappt worden war und
sagten zu Ihm: „Meister, diese Frau ist beim Ehebruch ertappt worden. Im Gesetz hat uns Mose geboten, eine solche
zu steinigen. Was sagst du nun?" Jesus sprach zu ihnen: „Wer von euch
ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie." Als sie aber das
gehört hatten, gingen sie weg, einer nach dem andern, angefangen von den Ältesten."
(Johannes, 8, 2-11)
M.4. „ Jemand …fragte [Jesus]: Guter Meister was
muss ich tun, um ewiges Leben zu haben?" Jesus sagte: „Die Gebote kennst
du: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen,
du sollst kein falsches Zeugnis geben, ehre deinen Vater und deine
Mutter." Er antwortete ihm: „Meister, das alles habe ich von meiner Jugend
an befolgt.“ Da sprach Jesus zu ihm: „Eines fehlt dir. Geh, verkaufe alles, was
du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben"
(…)
Jesus sprach zu seinen Jüngern: "Kinder, wie
schwer ist es, in das Reich Gottes einzugehen !
Leichter kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurch als ein Reicher in das
Reich Gottes hinein." (Markus,10)
M.5. „Nun schleppten einige Stephanus
gewaltsam vor den Hohen Rat (…) Er aber sprach :
„Seht, ich sehe den Himmel offen und Jesus zur Rechten Gottes stehen."
Da stürmten alle miteinander auf ihn
los, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn (…)
Von denen, die infolge der Verfolgung, die wegen
Stephanus ausgebrochen war, geflohen waren, waren manche bis nach Phönizien,
Zypern und Antiochia gegangen (…) Nach der Ankunft
in Antiochia verkündeten einige von ihnen auch den
Griechen das Evangelium… In Antiochia gab man den
Jüngern zum ersten Male den Namen ‚Christen‘ ".(Apostelgeschichte, 6-7)
M.6. „Wenn ein Unbeschnittener
die Vorschriften des Gesetzes erfüllt, wird er dann nicht anbetrachtet,
als wäre er beschnitten? (…) Die wahre Beschneidung ist die Beschneidung des
Herzens im Geist.“ (Paulus, Römerbrief)
M.8. „ln der Erkenntnis, dass es jedem nach seinem
Willen erlaubt sein soll, nach eigener Entscheidung seine Religion zu wählen,
haben wir den Befehl gegeben, dass es den Christen erlaubt sei, den Glauben
zu behalten, den sie selbst gewählt haben.'' (Kaiser Konstantin,
„Mailänder Edikt", 313 )
M.9. „Niemand darf an irgendeinem Ort den
vernunftlosen Götterbildern ein unschuldiges Opfertier töten ..
Wenn jemand Götterbilder verehrt, der soll Buße erleiden am Haus oder
Besitztum ..." (Kaiser Theodosius, Erlass, 392) „ Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Aug um Aug und Zahn
um Zahn“. Ich aber sage euch: Widersteht dem Bösen nicht, sondern wer dich auf
die rechte Wange schlägt, dem sollst du die Linke…
Ihr habt gehört dass gesagt ist: ,Liebe
deinen Nächsten' und hasse deinen Feind. Ich aber sage euch: Liebet eure
Feinde und betet für die, die euch verfolgen …" (Mattheus, 5, 38-40)
Vocabulaire spécifique:
das Abendmahl: la Cène
der Anhänger: le partisan
auferstehen: ressusciter
bekehren:
convertir
beten: prier
der Bischof :
l’évêque
die
Buße: la pénitence, la
peine, l’amende
das Christentum: le christianisme
der
Christ : le chrétien
die
Christin : la chrétienne
christlich : chrétien
der Diakon:
le diacre
das Gebot: le commandement
der Glauben, der Glaube: la foi
das Götzenbild: l' idole
das Heidentum: le paganisme
heilig: sacré, saint
der Jünger: le
disciple
kreuzigen: crucifier
das Opfer: le sacrifice
reinigen:
purifier
der
Retter: le sauveur
der
Ritus: le rite
das Seelenheil: le salut de l' âme
die
Sünde: le péché
taufen: baptiser
verehren: adorer
das Wunder:
le miracle
Vocabulaire usuel:
die Verbreitung: l' expansion
1.A. anerkennen: reconnaître
1.A,1) opfern: sacrifier
1.A.2)
die Strömung: le courant
1.B.1) verkünden: proclamer
gezeugt: engendré
1.B.2) die Vorschrift: les prescriptions
1.C.
die
Trennung: la séparation
Das Christentum
A. erfolgreich: qui réussit
2.B.1) die Gemeinde: la communauté
der
Wandel: le changement
grausam: cruel
die Kindesaussetzung: l'
« exposition » des enfants (qu' on laissait mourir)
das Verbrechen: le crime
2.B.2) misstrauen: se méfier
sich weigern: résister
erlassen: publier, promulguer
2.C.1) verfolgt: persécuté
das Urteil: le jugement
bedrohen: menacer
verzichten: renoncer
ausstoßen: exclure
schlachten: abattre
M.1. geschnitzt: sculpté
missbrauchen: mal utiliser
erweisen: montrer
stehlen : voler
ehebrechen: commettre l' adultère
der
Zeuge: le témoin
begehren: convoiter
M.2. auflösen: abolir
Erfüllen: accomplir
widerstehen: résister
die Wange: la joue
der Feind: l' ennemi
M.3. der Ehebruch: l'
adultère
ertappen: attraper
gebieten: ordonner
steinigen: lapider
M.4. erlangen: atteindre
stehlen:
voler
das Zeugnis: le témoignage
der
Schatz: le trésor
das Kamel: le chameau
das Nadelöhr : le trou de l’aiguille
die
Nadel: l'aiguille
der Gerechte: le juste
M.5. schleppen: trainer
stürmen auf: foncer sur
die Verfolgung: la persécution
ausbrechen: éclater
zerstreut: dispersé
verkünden: annoncer
M.6. rechtfertigen:
justifier
beschnitten: circoncis
erhoffen: espérer
M.7. der Schöpfer: le créateur erbarmungslos: sans
pitié
erleiden: souffrir
das Götzenbild: l' idole
verkünden: prononcer
auspeitschen: fouetter
die Enthauptung: la décapitation
verurteilt: condamné
die Gleichberechtigung: l' égalité
des droits
M.8. die Erkenntnis: la connaissance
M.9. vernunftlos: irrationnel
das Besitztum: la propriété
das Opfertier: l’animal sacrifié
Laurence Fritsch d’après jean-claude Goepp
M.7. „Christus wurde unter der Regierung des
Tiberius von dem Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet. Der verderbliche Aberglaube
verbreitete sich nicht nur in Judäa, sondern auch in der Stadt Rom…“
(Tacitus, Annalen 15,44)
Gerichtsprotokoll:
„Richter: ‚Welcher Lehre folgst du?‘
Justinus: ‚lch habe mich für
die allein wahren Lehren der Christen entschieden.‘
Richter: ‚Was ist diese Lehre?‘
Justinus: ‚Sie lautet: Wir verehren den Gott der
Christen, den wir für den einzigen Gott und den Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren
Welt halten.‘
Richter zu Justinus: ‚Wenn ihr nicht den Göttern
gehorcht, wird man euch erbarmungslos strafen !‘
Justinus: ‚Das ist gerade, was wir hoffen: für unseren
Herrn Jesus Christus zu sterben.‘
Das gleiche sagen auch die übrigen: ‚Tu, was du willst.
Wir sind Christen, und den Götzenbildern opfern wir nicht!‘
Der Richter verkündet das Urteil: ‚Weil diese den Göttern
nicht opfern wollen, sollen sie ausgepeitscht werden und sind, nach dem
Gesetz, zur Enthauptung verurteilt‘ (Aus den Märtyrerakten
des 2. Jh. )