Das Brandenburger Tor
Es ist das wichtigste Wahrzeichen der
Stadt und gleichzeitig ein nationales Symbol, mit dem viele wichtige Ereignisse
der Geschichte Berlins, Deutschlands, Europas und der Welt des 20. Jahrhunderts
verbunden sind.
Wo?
Das Brandenburger Tor von Berlin bildet
mit dem Pariser Platz den Abschluss der Straße „Unter den Linden“. Auf der
Westseite des Tores liegt der Platz des 18. März, an dem die Straße des 17.
Juni beginnt, die den Tiergarten durchquert.
Seit wann?
Es wurde in den Jahren von 1788 bis 1791
auf Anweisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. von Carl Gotthard
Langhans errichtet.
Wie?
Der Bau ist dem frühklassizistischen Stil
zuzuordnen
Es wurde nach dem Vorbild der Propylen
zur Akropolis in Athen gestaltet. Das Tor hat fünf Durchfahrten, von denen die
mittlere etwas breiter ist, und zwei Torhäuser.
In den beiden Torhäusern stehen große
Skulpturen des römischen Kriegsgottes Mars, der das Schwert in die Scheide
steckt, und der Göttin Minerva mit Lanze
Das Tor wird durch eine etwa fünf Meter
hohe in Kupfer getriebene Skulptur, die stellt die geflügelte Siegesgöttin dar,
die einen von vier Pferden gezogenen Wagen (Quadriga) in die Stadt hineinlenkt.
Bau des Tores
Mit dem Bau der Zollmauer
der Stadt Berlin wurde 1734 ein Vorgängerbau des heutigen Brandenburger Tores
als Stadttor an der Straße nach Brandenburg an
der Havel errichtet.
Zehn Jahre
nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde 1658 begonnen, Berlin zu einer Festung
auszubauen und an der Stelle des heutigen Brandenburger Tores ein Stadttor
errichtet. Als das Bürgertum im ausgehenden 18. Jahrhundert immer mehr an
Einfluss gewann und der König sich einen würdevollen Abschluss der Straße Unter
den Linden wünschte, stellte man 1769 einen Plan zur Verschönerung Berlins vor,
der auch ein Modell des neuen Tores zeigte. Aber schon damals vergingen etliche
Jahre bis zur Umsetzung des Planes und erst 1788 begann man mit dem Abriss des
alten BrandenburgerTores.
Im Gegensatz der zu ihm nachfolgenden Herrscher unterschätze der König
allerdings die historische Bedeutung des Brandenburger Tores und blieb der
Eröffnung am 06. August 1791 fern. Es fand weder eine Parade noch eine
Eröffnungsfeier statt.
Im Jahr 1793 wurde dem Brandenburger Tor
die Quadriga mit der geflügelten Siegesgöttin Nike beziehungsweise Victoria aufgesetzt.
Paraden, Aufmärsche und Demonstrationen fanden seitdem zu Füßen der
Quadriga statt. Napoleons Truppen marschierten als erste durch das Tor, die
Aufständigen der Märzrevolution von 1848 zogen durch das Tor, die Truppen
Preußens feierten ihre Siegeszüge und Hitler ließ 1933 die SA aus Anlass der
Machtübernahme durchs Brandenburger Tor marschieren. Da ziehen am 17.Juni 1953
die Arbeiter der DDR .
Verschleppung und Rückkehr der Quadriga
1806 wurde die Quadriga nach der Schlacht
bei Jena und Auerstedt von Napoléon nach Paris verschleppt. Im Dezember ließ Napoleon die Quadriga abnehmen und auf
dem Wasserweg nach Paris abtransportieren. Sie sollte dort
aufgestellt werden, doch bevor das geschah, wurde er entmachtet.
Im Jahr 1814 wurde die Quadriga in Kisten
verpackt und nach Berlin zurückgebracht, wo sie zunächst restauriert wurde. Erst im April 1814 wurde die Quadriga wieder aus Paris
nach Berlin von den Truppen Blüchers zurückgebracht und auf dem Brandenburger
Tor aufgestellt, jetzt jedoch mit einer neuen Trophäe, dem eisernen Kreuz,
gekrönt vom preußischen Adler.
Dabei wurde der von einem preußischen
gekrönten Adler besetzte Eichenkranz am Stab der Göttin durch ein neues
Machtsymbol, das von Schinkel entworfene Eiserne Kreuz, ergänzt.
Für die Berliner war die Quadriga nach
ihrer Rückführung im Volksmund die „Retourkutsche“
[= „Carrosse de retour“
. von französisch „retour“, und „Kutsche“ womit seit dem 18. Jahrhundert
eine Kutsche bezeichnet wurde, die regelmäßig
zwischen zwei Orten verkehrte. Dieser Begriff soll im Sprachgebrauch der Berliner als Spitzname
für die Quadriga des Brandenburger Tors
entstanden sein]
Mit dem Abriss der Zollmauer in den
1860er-Jahren wurden auch fast alle Stadttore abgerissen. Das Brandenburger Tor
ist das einzige heute noch bestehende.
Bis zur Abdankung Kaiser Wilhelms II. im
Jahr 1918 durften nur Mitglieder der kaiserlichen Familie, deren persönlichen
Gäste sowie – in Erinnerung an General Ernst von Pfuel, den Kommandanten des
preußischen Sektors von Paris nach dem Sieg über Napoléon – die Pfuels die
mittlere Durchfahrt benutzen.
[Pfuel ist der Name
eines alten Adelsgeschlechts aus dem Barnim und dem Kreis Lebus in Brandenburg
]
Nationalsozialismus
Am 30. Januar 1933 feierten die
Nationalsozialisten mit einem Fackelzug der SA durch das Brandenburger Tor ihre
„Machtergreifung“. Während des Zweiten Weltkriegs wurde von der Quadriga ein
Gipsabguss genommen. Da bei der Schlacht um Berlin deutsche Soldaten mit einem
Geschütz mehrmals auf die Quadriga schossen, nachdem dort die rote Fahne
gehisst worden war, wurde die Figur stark beschädigt.
Wiederaufbau des Tores
Trotz heftiger Auseinandersetzungen und
gegenseitiger Vorwürfe arbeiteten beide Teile Berlins bei der Rekonstruktion
zusammen. Am 14. Dezember 1957 war diese beendet. Die Ost-Berliner
Stadtverordnetenversammlung ließ vor dem Wiederaufstellen der Quadriga jedoch
das Eiserne Kreuz und den Adler entfernen, mit der Begründung, es seien Symbole
des preußischen Militarismus.
Zeit der Teilung
Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August
1961 stand das Bauwerk mitten im Sperrgebiet und konnte weder von Westen noch
von Osten durchquert werden
Das Brandenburger Tor markierte die
Grenze zwischen Ost- und West-Berlin und damit die Grenze zwischen den Staaten
des Warschauer Paktes und der NATO. Es war bis zur Wiedervereinigung
Deutschlands Symbol des Kalten Krieges und wurde nach 1990 zum Symbol der
Wiedervereinigung Deutschlands und Europas
Treffend bemerkte der spätere
Bundespräsident Richard von Weizsäcker zu Zeiten des Kalten Krieges hierzu: „Solange
das Brandenburger Tor geschlossen ist, ist die Deutsche Frage offen“.
Am 12. Juni 1987 sprach der
US-amerikanische Präsident Ronald Reagan folgenden Satz anlässlich eines
Berlinbesuchs vor dem Brandenburger Tor:
„Mr. Gorbachev,
open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall! „
(Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor!
Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!)
Mauerfall und Restaurierung
28 Jahre nach dem Bau der Mauer wurde das
Brandenburger Tor während der Wende in der DDR am 22. Dezember 1989 unter dem
Jubel von mehr als 100.000 Menschen wieder geöffnet. Die Sperranlagen wurden
danach vollständig beseitigt.
In der Silvesternacht 1989/1990 waren
Zuschauer auf das Tor geklettert und hatten diverse Anbauteile der Quadriga (z.
B. das Zaumzeug (la bride) entwendet.
Etliche innere Teile aus Stahl waren
durchgerostet. Die Quadriga wurde deshalb umgehend demontiert und erhielt bei
der folgenden Restaurierung auch das Eiserne Kreuz und den Adler zurück. Die
Kosten der Instandhaltung belaufen sich jährlich auf 200.000 Euro.
Das Brandenburger Tor wurde im Laufe der
Zeit immer wieder als Symbol der Deutschen Einheit dargestellt: So ist das Tor
auf der Rückseite der deutschen Euromünzen zu 10, 20 und 50 Cent geprägt.
Photograph of
President Ronald Reagan giving a speech at the Berliner Mauer, Brandenburger
Tor,