Berliner Mauer - Reaktionen

 

Bundeskanzler Konrad Adenauer rief noch am gleichen Tag über Radio die Bevölkerung zur Ruhe und Besonnenheit auf. Erst zwei Wochen nach dem Mauerbau besuchte er West-Berlin.

Allein der regierende Bürgermeister Berlins Willy Brandt protestierte energisch, aber letztlich machtlos, gegen die Einmauerung West-Berlins und die endgültig scheinende Teilung der Stadt. Am 16. August 1961 kam es zu einer Protestdemonstration von Willy Brandt und 300.000 West-Berlinern vor dem Rathaus Schöneberg.

Die westdeutschen Bundesländer gründeten noch im gleichen Jahr die Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen in Salzgitter, um Menschenrechtsverletzungen auf dem Gebiet der DDR zu dokumentieren.

 

Die Reaktionen der westlichen Alliierten auf den Mauerbau waren schleppend: 20 Stunden dauerte es, bis Militärstreifen an der Grenze erschienen. 40 Stunden dauerte es, bis eine Rechtsverwahrung an den sowjetischen Kommandanten Berlins geschickt wurde. Gar 72 Stunden dauerte es, bis diplomatische Proteste der Alliierten – um der Form genüge zu tun – in Moskau eingingen.

Für die westlichen Alliierten war der Mauerbau nun eine gegenständliche Manifestierung des Status quo.

 

„Die Ostdeutschen halten den Flüchtlingsstrom auf und verschanzen sich hinter einem noch dichteren Eisernen Vorhang. Daran ist an sich nichts Gesetzwidriges.“

– Harold Macmillan, britischer Premierminister

 

„Keine sehr schöne Lösung, aber tausendmal besser als Krieg.“

– John F. Kennedy, US-Präsident

 

US-Präsident John F. Kennedy stand zur „freien Stadt“ Berlin. Er sandte eine zusätzliche Kampfgruppe mit 1500 Mann über die Transitstrecke nach West-Berlin. Am 19. August 1961 trafen General Lucius Clay und Prasident Lyndon B. Johnson in West-Berlin ein. Die Amerikaner wiesen Versuche der Volks- und Grenzpolizei energisch zurück, alliierte Offiziere und Angestellte kontrollieren zu wollen. Schließlich wirkte der Oberkommandierende der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) mäßigend auf die DDR-Funktionäre ein.

 

Zu einer direkten Konfrontation zwischen amerikanischen und sowjetischen Truppen kam es am 27. Oktober 1961 am Checkpoint Charlie auf der Friedrichstraße: zehn Kampfpanzer der amerikanischen und sowjetischen Armee unmittelbar am Grenzstrich gegenüber aufbauten. Am nächsten Tag wurden jedoch beide Panzergruppen wieder zurückgezogen.

Dieses kalte Scharmützel beinhaltete aber enorme politische Bedeutung es zeigte die Sowjetunion und nicht die DDR für den Ostteil Berlins verantwortlich war. Beide Seiten wollten den Kalten Krieg wegen Berlin nicht eskalieren oder einen Atomkrieg riskieren.

 

Der US-amerikanische Außenminister Dean Rusk sprach sich in einem Fernsehinterview am 28. Februar 1962 für die Schaffung einer internationalen Behörde zur Überwachung des freien Zugangs nach Berlin und gegen eine Anerkennung der DDR aus.

 Heinrich von Brentano und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle wiederum sprachen sich in Pressekonferenzen gegen eine internationale Zugangskontrollbehörde für Berlin aus.

 

Im Juni 1963 besuchte US-Präsident Kennedy Berlin. Vor dem Rathaus Schöneberg hielt er eine Rede über die Mauer, in der er die historischen Worte „Ich bin ein Berliner“ sprach. Dieser symbolische Akt zeigte den West-Berlinern die amerikanische Akzeptanz beim Bau der Mauer. Für die Westalliierten und die DDR bedeutete der Mauerbau eine politische und militärische Stabilisierung, der Status quo von West-Berlin wurde zementiert.

 

Die Regierungen der drei Westmächte bekräftigen in einer gemeinsamen Erklärung am 26. Juni 1964 zum Freundschaftsvertrag zwischen der Sowjetunion und der DDR vom 12. Juni 1964 ihre Mitverantwortung für ganz Berlin.

 

Die Besonnenheit : la pondération

Schleppen: languir traîner les pieds

Die Erwahrung : la mention

widrig : défavorable, contraire    Gesetzwidrig : contraire à la loi

der Zusatz : l’ajout

die Strecke : route , ligne , trajet   Transitstrecke : voies de transit, d’accès

der Versuch : la tentative

zurückweisen : refouler, repousser

einwirken : exercer une influence    die Einwirkung : l’influence

das Scharmützel : l’escarmouche

die Behörde: le service, l’autorité (compétente/ zuständige, supérieure/vorgesetze...)