Wirtschaftswunder

 

Deutsches Wirtschaftswunder von 1890 bis 1914:

Der Zeitraum von 1890 bis 1914 wird als erstes deutsches Wirtschaftswunder bezeichnet. Nach dem Börsenkrach von 1873, begann ab 1896 ein dynamischer Aufschwung.

 

Deutsches Wirtschaftswunder um 1955:

Das Wirtschaftswunder war nicht nur ein deutsches, sondern ein weltweites Phänomen

Voraussetzungen (conditions) für das zweite deutsche Wirtschaftswunder:

 - 1 Die Abschaffung der zentralen Wirtschaftslenkung und der Preisadministration im Zuge der Währungsreform von 1948.

lenken: diriger, guider - die gelenkte Wirtschaft: économie dirigée

- 2 Marshall-Plan für den Wiederaufbau : So erhielt Großbritannien 3,6 Milliarden, Frankreich 3,1 Milliarden und die Niederlande 1,0 Milliarden US-Dollar. Das extrem zerstörte (West-)Deutschland erhielt 1,4 Milliarden US-Dollar.

- 3 die Einführung der D-Mark mit der Währungsreform schaffte die Voraussetzung für eine wirtschaftliche Konsolidierung und ebnete den Weg für den Beitritt zum ERP, auch bekannt unter dem Namen „Marshall-Plan“.

- 4 Die Frankfurter Dokumente stellten die „Geburtsurkunde" der dann 1949 förmlich gegründeten Bundesrepublik Deutschland dar.

- 5. Die BRD hatte bis 1955 keine Militärausgaben und die zahlreichen Vertriebenen und Flüchtlinge aus dem Osten waren tüchtige Arbeitskräfte

- 6 Die Soziale Marktwirtschaft wurde zu Beginn der 1950er Jahre zur wirtschafts- und sozialpolitischen Leitidee der Bundesrepublik Deutschland. 

 

1949 wurde Ludwig Erhard von Konrad Adenauer zum Bundeminister für Wirtschaft ernannt. Er bliebt es bis 1963. Er ist der Vater der Wirtschaftswunder.

Die Soziale Marktwirtschaft ist ein Mischsystem. Sie ergänzt die freie Marktwirtschaft um Elemente der Staatswirtschaft,  unter der Leitmotiv: „so wenig Staat wie möglich, so viel Staat wie nötig“

Sie ist eine teilweise staatlich gelenkte, sozialen Zielen verpflichtete Marktwirtschaft. Grundprinzip ist die Sicherung der Gewerbe-, Wettbewerbs- und Exportfreiheit auf dem Markt in Verbindung mit sozialem Ausgleich.

Grundlagen dieses Systems sind das private Eigentum (garantiert in dem Grundgesetzt), die Vertragsfreiheit und die Eigenverantwortung.

Der Staat hilft nur, wenn man sich selbst nicht mehr helfen kann (Subsidiaritätsprinzip).

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Die letzte geistige Grundlage der sozialen Marktwirtschaft ist der christliche Glaube und sein Menschenbild.

 

Die Rolle der Sozialpartner ist wichtig: Im Rahmen der Tarifautonomie handeln Arbeitnehmer und Arbeitgeber ihre Tarifverträge aus. Die Auseinandersetzungen den Gewerkschaften und den Arbeitgeberverbänden können das Funktionieren des Wirtschaftssystem tiefgehend beeinflussen.

 

Wortschatz:

Verstaatlichen : nationaliser

Der Arbeitnehmer (-): le salarié

Der Arbeitgeber (-): l’employeur

Die Tarifvertrag (¨-e): la convention colelctive

Die Gewerkschaft (en): le syndicat ouvrier

Der Arbeitgeberverband (¨-e): le syndicat patronal

Sozialstaat (Etat Providence) Staat, der seine Bevölkerung durch soziale Sicherungssysteme wie Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung vor sozialer Verelendung schützt.

Die Verelendung: l’appauvrissement

Die Vollbeschäftigung: le plein emploi

Die Investitionen stiegen von 1952 bis 1960 um 120 Prozent und das Bruttosozialprodukt nahm um 80 Prozent zu.

 

Die Konsumgesellschaft: la societe de consommation

Aufwärts: vers le haut

„es geht (mit jemandem/etwas )aufwärts“: la situation (de qqn/ de qqch) s‘améliore

La coccinelle (la voiture Vwg): der Käfer

Elelktrische Haushaltsgeräte oder Elektrogeräte für den Haushalt (les deux sont pluriel): appareils électroménagers

Der Schallplattenspieler: l’électrophone (platine disque)

Das TV-Gerät: le poste de télévision Das Fernsehen programm: la chaîne de télévision

Der Kühlschrank: le réfrigérateur

Die Kühl-Gefreier-Kombination: le réfrigératur congélateur

Die Küchemaschine: le robot ménager

Der Staubsauger: l’aspirateur

Die Waschmaschine: lave - linge

Die Spüllmasuchine: lave - vaisselle

 

Jetzt bildeten sich in der Urlaubszeit die ersten Staus

Der Stau (s): embouteillage

 

der Wiederaufbau

die Enttrümmerung

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre konnte die Bundesrepublik die wirtschaftlichen Lasten der Wiederbewaffnung bereits schultern.

 

 

Texte de la video étudiée : Zeit-Zeugen erinnern sich

Währungsreform

Im Juni 1948 ist es so weit: Währungsreform in den Westzonen ohne Einbeziehung der Sowjetischen Zone. Schlange stehen für die neue Deutsche Mark. 40 Mark für jeden- das Startgeld in einen neuen Abschnitt des Daseins.

 

Theo Sommer Chefredakteur der Zeit (1973-92)

Das Geld war neu, glatt (lisse) und unzerknittert (non manipulé, froissé).

Heute hat jeder denselben Betrag in der Tasche. Es gibt keinen, der mehr hat, keinen, der weniger hat, aber das war natürlich schon am nächsten Tag anders.

Das neue Geld schafft Vertrauen. Die Schaufenster waren über Nacht voll: die Waren, die die Leute für billiges Geld nicht hergeben wollten, plötzlich waren sie im Angebot. Da kam so langsam das Wirtschaftswunder in Gang.

…………..

 

In Westdeutschland entwirft Wirtschaftsminister Ludwig Erhard die soziale Marktwirtschaft. Mit finanzieller Unterstützung der Alliierten und den Kräften des freien Markets kommt die Westwirtschaft Mitte der 50er Jahre in Schwung.

Das Nachholbedürfnis der Deutschen ist riesig, nicht nur beim Essen. Autos, Nierentische Kleidung und Waschmaschinen. Wer es sich leisten kann, unterliegt den Verlockungen (attractif) der Werbung.

(Nierentisch: Ein Nierentisch ist ein für die 1950er Jahre typischer Tisch mit asymmetrisch geformter, )

 

“Deshalb sage ich: die oder keine!”

“Der Kühlschrank neuen Stiles”

Der erste bescheidene Wohlstand. Hungern war gestern.

 

Gesang “Mit Milch an allen Tagen, jedermann kann sie vertragen”.

 

Die Westdeutschen leisten sich wieder was. (sich etwas leisten: se payer quelque chose)

Nun sollen sie wissen, wer das alles geschafft hat: Professor Erhard.

Der Vater des Wirtschaftswunders wankt aber vor Maßlosigkeit

Tournure littéraire (wankt vor: chandeler à cause de -   Masslosigkeit=sans mesure).

“Das deutsche Volk entfaltet in den Stunden der Not höchste und bemerkenswerte Tugenden (vertus). Aber ich befürchte, dass es nicht im gleichen Maße den Stunden des Glücks gewachsen ist.”

A l’heure du besoin, le peuple allemand développe des vertus hautes et remarquables. Mais je crains que à l’heure de la Chance, il sne soitent pas de taille dans lamême mesure

Etwas (jemandem) gewachsen sein : être de taille à

 

Flüchtlinge

Nicht alle profitieren sofort von Glück des Wohlstandes. Millionen von Flüchtlingen und Heimkehrern leben in provisorischen Notunterkünften (logements de misère).

Das Wirtschaftswunder ging an den Flüchtlingen erstmal vorbei (a laissé de coté).

Wer wissen will, wie es damals in Deutschland aussah, hätte praktisch in den 40er und 50er Jahren - nach Hamburg, nach Köln, nach Würzburg – in die Groβstädte  kommen sollen, die immer noch in einem Zustand waren, der völlig unfassbar war (inimaginable misère). Und der Bildern gleicht, die man heute aus den Konfliktzonen der Westlichen und der Östlichen und überhaupt der Welt sieht – das war unbegreiflich (inconcevable): der Anblick (le spectacle) und auch das Elend.

Von Wirtschaftswunder konnte in dem Maße eigentlich ab den späteren 50er Jahren gesprochen worden.

 

Reisen

Die Westdeutschen entdecken auch das Reisen: fliegen war noch unerschwinglich (hors de prix). Ein New York Flug mit der 1953 wiedergegründeten Lufthansa kostete 3600 Mark: ein Jahresverdienst!

Dann doch lieber vom ersten Gesparten (sparen gespart: épargner) ein Auto oder ein Motoroller (= scooter ≠Motorrat). Man wird mobil.

Inspiriert von Heimatfilmen und Fernwehschlagern zieht es die Westdeutschen Richtung Süden (mal du pays – besoin de courir le monde). Erst Österreich. Später Italien. Adria und Rimini werden zum Inbegriff sehnsuchtsvoller Reiseträumen. Deutsche im Ausland 10 Jahre nach Kriegsende noch ein schwieriges Kapitel.

 

Gastarbeiter

Mit dem Wirtschaftswunder kommen die Gastarbeiter. Westdeutschland hat zu wenige Arbeitskräfte. Die Bundesregierung schlieβt Anwerberabkommen (Anwerber = Kandidaten) zunächst mit Italien, dann mit anderen Ländern. Es war noch eine Zeit, in der man nicht so viel voneinander wusste.

 

Giovanni Di Lorenzo (zog mit 11 (Jahren) von  Italien nach Deutschland)

Ich wurde in der Schule auf einem humanistischen Gymnasium allen Ernstes gefragt von einem Mitschüler, ob es in Rom auch richtige Häuser gäbe.

 

Sie kommen in Scharen und bleiben. Die Deutschen sind auf die Gastarbeiter angewiesen (abhängig) und empfangen sie mit offenen Armen. Der millionenste Gastarbeiter, ein Portugiese, bekommt 1964 sogar ein Moped. Offenbar hat er der Neuling noch nicht begriffen, dass er und seinesgleichen für den deutschen Wohlstand unentbehrlich geworden sind.

 

Die fremden Kulturen werden Deutschland bis heute verändern.